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15. Mai 2026Patientenratgeber

Wie erkennt man eine Harnwegsinfektion bei Männern? Wann sollte man zum Urologen gehen?

Welche Symptome verursacht eine Harnwegsinfektion bei Männern? Was ist der Unterschied zu Frauen und wie wird sie behandelt? Urologiefachmann Dr. Serkan Doğan erklärt.

Harnwegsinfektionen (HWI) treten bei Frauen viel häufiger auf, können jedoch auch bei Männern vorkommen und sollten ernst genommen werden. Eine HWI, die bei Frauen häufig mit einer einfachen Behandlung abheilt, kann bei Männern auf komplexere Ursachen hinweisen.

Daher sollte eine Harnwegsinfektion bei Männern immer von einem Urologen beurteilt werden.

Was sind die Symptome einer Harnwegsinfektion?

  • Brennen, Stechen oder Schmerzen beim Wasserlassen
  • Häufiger und plötzlicher Harndrang
  • Dunkler, trüber oder übel riechender Urin
  • Blut im Urin (Hämaturie) – Achtung: Dieses Symptom muss unbedingt abgeklärt werden
  • Schmerzen im Beckenbereich oder Unterbauch
  • Hohes Fieber, Schüttelfrost und Rückenschmerzen – können auf eine Nierenentzündung (Pyelonephritis) hinweisen

Warum ist eine HWI bei Männern anders als bei Frauen?

Bei Frauen ist eine HWI meist eine einfache Blasenentzündung (Zystitis), die mit einer kurzen Antibiotikatherapie ausheilt. Bei Männern ist eine HWI selten und häufig auf eine zugrundeliegende Ursache zurückzuführen:

  • Prostatavergrößerung (BPH) – die Blase entleert sich nicht vollständig, Bakterien können sich vermehren
  • Prostatitis (Prostataentzündung) – kann sowohl Symptom als auch Ursache sein
  • Nierensteine oder Harnwegsverengungen
  • Urologische Eingriffe wie Zystoskopie oder Katheterisierung
  • Erkrankungen mit geschwächtem Immunsystem (Diabetes, HIV)
  • Angeborene Anomalien

Was ist Prostatitis? Was ist der Unterschied zu einer HWI?

Prostatitis (Prostataentzündung) ist eine Entzündung der Prostatadrüse und kann HWI-Symptome nachahmen. Besonders bei akuter bakterieller Prostatitis stehen Fieber, Schüttelfrost und Dammschmerzen im Vordergrund. Chronische Prostatitis präsentiert sich mit einem breiten Symptomspektrum von leichten Miktionsbeschwerden bis hin zu Beckenschmerzen.

Diese beiden Bilder können klinisch voneinander unterschieden werden und ihre Behandlungen sind verschieden. Daher ist eine korrekte Diagnose von entscheidender Bedeutung.

Wie wird die Diagnose gestellt?

  • Urinanalyse und -kultur (welches Bakterium, auf welches Antibiotikum empfindlich?)
  • Blutbild und Entzündungsmarker (CRP, weiße Blutkörperchen)
  • PSA und ProstataUntersuchung
  • Ultrasonographie – Prostata, Blase und Nieren werden beurteilt
  • Bei Bedarf Zystoskopie

Wie wird die Behandlung durchgeführt?

Die HWI-Behandlung bei Männern wird gemeinsam mit der Behandlung der zugrundeliegenden Ursache geplant. Nur Antibiotika zu verabreichen ist meist nicht ausreichend; wenn die Ursache nicht behandelt wird, wird die Infektion wiederkehren.

  • Antibiotikatherapie: Wird je nach Kulturergebnis ausgewählt; die Behandlungsdauer ist länger als bei Frauen (in der Regel 7–14 Tage; bei Prostatitis 4–6 Wochen)
  • Behandlung der zugrundeliegenden Ursache: Für Prostatavergrößerung, Steine oder Verengungen wird ein separater Plan erstellt
  • Reichlich Flüssigkeitsaufnahme

Wann sollte man in die Notaufnahme?

Gehen Sie in den folgenden Situationen sofort in die Notaufnahme:

  • Fieber über 40 °C
  • Starkes Schüttelfrost und allgemeine Verschlechterung des Zustands
  • Starke Rücken- oder Bauchschmerzen
  • Unfähigkeit, Wasser zu lassen

Diese Symptome können auf eine Infektion des oberen Harntrakts (Pyelonephritis) oder den Beginn einer Sepsis hinweisen.

Fazit

Eine Harnwegsinfektion bei Männern ist ein wichtiges Warnsignal, das auf ein zugrundeliegendes urologisches Problem hinweist. Nehmen Sie die Symptome nicht auf die leichte Schulter; eine Beurteilung durch einen Urologen gewährleistet sowohl Ihre Genesung als auch die Prävention von Wiederholungen.